CENTRUM MODERNES GRIECHENLAND

Winterfest der Edition Romiosini 2017 – 3.12.2017

Winterfest an der Spree: Edition Romiosini im Watergate! Club Watergate (Waterfloor), Falckensteinstraße 49, 10997 Berlin (An der Oberbaumbrücke/Kreuzberg)

romiosini2Die Edition Romiosini feiert am Sonntag, dem 3. Dezember 2017 ihr viertes Bücherfest. Mit dem Schriftsteller Thanassis Valtinos, den ÜbersetzerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen Danae Coulmas, Niki und Hans Eideneier, Evripidis Garantoudis, Ulf–Dieter Klemm und Torsten Israel, dem Musiker Jannis Zotos und weiteren Gästen. Bei Glühwein, Lebkuchen und Büchern. Im Club Watergate. Eintritt frei.

PROGRAMM

17:00 Uhr: Offener Brief: Thanassis Valtinos an Christa Wolf

Ob Aufruf, Provokation oder Protest, ein offener Brief war und ist eine besondere Form des offenen Dialogs, ein Forum, ein Ansporn zum Austausch. Und dadurch ein willkommenes Format für die Edition Romiosini des CeMoG, das sich genau als das versteht: eine Agora, ein Ort des Dialogs und der Zirkulation von Ideen. Die Edition Romiosini veröffentlicht zweimal im Jahr, anlässlich des Sommer- und Winterfestes, offene Briefe griechischer Autorinnen und Autoren an Kolleginnen und Kollegen jenseits ihrer Grenzen.

„[…] Seitdem ist mehr als ein Dritteljahrhundert vergangen, liebe Christa. […] Meine Erinnerung kehrt in jene Nacht zurück und ich frage mich, welche Dinge ich vergessen habe und welche sich willkürlich eingeschlichen haben. In ein löchriges Gedächtnis. Über die Melancholie, die mir das verursacht, werde ich nichts sagen. Im Endeffekt beschäftige ich mich ein Leben lang mit Schatten. Es wäre lächerlich, wenn ich Dir irgendetwas wünschte.“

Auf dem Winterfest liest Thanassis Valtinos seinen Brief vor.

»» Leseempfehlung: Thanassis Valtinos an Christa Wolf, Edition Romiosini, 2017. Zweisprachige Ausgabe deutsch-griechisch. Übersetzung aus dem Griechischen von Ulf–Dieter Klemm.

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17:30 Uhr: Die Werkstatt des Autors

Thanassis Valtinos macht in seinen Texten die karge Berglandschaft seiner Heimat zur Bühne für die Wechselfälle der Geschichte und der Menschen. Dabei bedient er sich sehr unterschiedlicher Erzähltechniken: dorische Monologe, dramatische Dialoge und fiktive Interviews bilden ein Panorama der griechischen Geschichte, von Schicksalen und Literatur.

Abstieg zum Meer hinunter und flussaufwärts zurück: Die Edition Romiosini veröffentlicht erstmals auf Deutsch eine repräsentative Auswahl aus dem über fünfzigjährigen Werk des modernen Klassikers.

Thanassis Valtinos wird mit seinem Übersetzer Ulf–Dieter Klemm diskutieren.

»» Buchempfehlungen

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18:00 Uhr: Reihe Fachliteratur: drei Konferenzbände zu den deutsch-griechischen Beziehungen

Die Erforschung der deutsch-griechischen Verflechtungen bildet einen Tätigkeitsschwerpunkt des CeMoG. In den vergangenen Jahren wurden zu diesem Themenkreis drei internationale Konferenzen organisiert, die sich mit der deutschen Besatzung Griechenlands 1941-1944, den deutsch-griechischen Transfers im Bereich der Philosophie seit dem 19. Jahrhundert sowie mit den vielfältigen Beziehungen zwischen der DDR und Griechenland beschäftigten. Die jüngst erschienenen bzw. in Kürze erscheinenden Konferenzbände hierzu werden von den Herausgebern Marco Hillemann und Nikolas Pissis präsentiert.

»» Buchempfehlungen:

  • Die „neue Ordnung“ in Griechenland (Hg. von Nikolas Pissis und Dimitris Karydas), mit einem Text von Nikos Kazantzakis (u.a.) über die Gräueltaten der Wehrmacht auf Kreta.
  • Deutschland und Griechenland im Spiegel der Philosophie (Hg. von Jannis Pissis)
  • Deutsch-griechische Beziehungen im ostdeutschen Staatssozialismus (Hg. von Marco Hillemann und Miltos Pechlivanos).

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18:30 Uhr: Jannis-Zotos-Trio: Amour fou: musikalische Stationen der griechischen Lyrik, I

Der Gitarrist, Komponist und Musikdozent Jannis Zotos wurde 1958 in Dresden geboren. Der langjährige Begleiter von Mikis Theodorakis ist Gründer und Betreiber des legendären Musikclubs b-flat, er komponiert Film- und Theatermusik und hat mehrere LPs und CDs aufgenommen. Zotos hat sich mit seinen Kompositionen sehr intensiv mit griechischer Lyrik auseinandergesetzt, u.a. mit Gedichten von Giorgos Seferis, Kostas Karyotakis, Maria Polidouri und Jannis Ritsos.

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19:00 Uhr: Reihe Belletristik: vier Stationen der neugriechischen Prosa: Axioti, Chimonas, Doukas, Milionis

Kadmo ist der Schwanengesang von Melpo Axioti. Die Autorin war 1964 nach Griechenland zurückgekehrt, nachdem sie Jahrzehnte lang quer durch Europa ziehen musste, da sie als Kommunistin verfolgt wurde. Doch ihr literarisches und physisches Dasein war durch die Militärdiktatur ernsthaft bedroht, entsprechend melancholisch, nachdenklich, aber auch poetisch gelang ihr letzter Text, eine Bilanz ihres Werkes und ihrer Vergangenheit.

Die kurzen Texte des Psychoanalytikers Jorgos Chimonas sind dem Bewusstseinsstrom nachempfunden und bilden einen kreativen Sprengstoff für die Regeln und Gewohnheiten der griechischen Sprache – eine aufregende Aufgabe für seine Leser und Übersetzer.

Auch Stratis Doukas setzte mit seiner Geschichte eines Kriegsgefangenen durch seinen kargen, puren und sehr komprimierten Sprachduktus ein stilistisches Zeichen. Doch nicht nur der originelle Sprachstil, sondern auch das Zeugnis des Protagonisten, der die grausame Vernichtung der griechischstämmigen Christen Kleinasiens durch türkische Soldaten und Marodeure am Ende des Krieges von 1919-1922 überlebte, verhalf diesem Text in den literarischen Kanon.

Christoforos Milionis thematisiert mit den Erzählungen in Kalamas und Acheron den „griechischen Dreißigjährigen Krieg“ – die brutale Konfrontation von Rechten und Linken vom Bürgerkrieg bis zum Ende der Militärdiktatur. Doch nicht nur die Parteien stehen dies- und jenseits der Flüsse; Milionis’ preisgekrönte Erzählsammlung verortet Geographie und Zeit in der Gleichzeitigkeit zweier gegenüberliegender Flussufer.

Kostas Kosmas präsentiert die Erstveröffentlichungen der Bücher von Axioti und Doukas, die frühere Verlegerin des Romiosini Verlags Niki Eideneier diskutiert mit Tatiana Milioni und Evripidis Garantoudis über die lektorierten Neuveröffentlichungen der Bücher von Chimonas und Milionis.

»» Buchempfehlungen

  • Christoforos Milionis: Kalamas und Acheron. Aus dem Griechischen übersetzt von Hans Eideneier und mit einem Nachwort von Elisavet Kotzia. Edition Romiosini, 2017.
  • Jorgos Chimonas: Der Feind des Dichters und andere Texte. Aus dem Griechischen übersetzt von Danae Coulmas und Niki Eideneier und mit einem Nachwort von Evripidis Garantoudis. Edition Romiosini, 2017.
  • Melpo Axioti: Kadmo. Aus dem Griechischen übersetzt von Maria Zafόn und mit einem Nachwort von Maria Kakavoulia. Edition Romiosini, 2017.
  • Stratis Doukas: Geschichte eines Kriegsgefangenen. Aus dem Griechischen übersetzt von Birgit Hildebrand und mit einem Nachwort von Vassilis Vassiliadis. Edition Romiosini, 2017.

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19:30 Uhr: Reihe Belletristik: Lesung aus drei Stationen der neugriechischen Lyrik

Die Edition Romiosini wird bis zum Sommer 2018 drei Bände zu drei Stationen der griechischen Lyrik herausgeben: eine Auswahl aus dem Versroman der kretischen Renaissance Erotokritos in der Übersetzung von Hans Eideneier, die 154 Gedichte des Konstantinos Kavafis in der Übersetzung von Wolfgang Josing († 2017), überarbeitet von Danae Coulmas, und eine Auswahl griechischer Lyrik des 21. Jahrhunderts, herausgeben von Maria Topali, in der Übersetzung von Torsten Israel.

Die Übersetzer Hans EideneierDanae Coulmas und Torsten Israel werden aus den Texten vorlesen.

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20:30 Uhr: Jannis-Zotos-Trio: Amour fou: musikalische Stationen der griechischen Lyrik, II