Athen ist das neue Berlin

Quelle: http://www.graktuell.gr/index.php/articles/kultur-bildung/1255-athen-ist-das-neue-berlin

Erstmals findet die documenta an zwei Orten statt: Neben Kassel wird es auch Werkschauen in Athen geben. „Von Athen lernen” lautet denn auch der Arbeitstitel der documenta 14. Das Zeit-Magazin fing im vergangenen Jahr damit an: Athen ist das neue Berlin! Der Bayerische Rundfunk fand das dann auch – absolut, neues Berlin. Andere sekundierten; Athen, das neue Berlin, hat die New York Times auch behauptet, außerdem kommt ja jetzt die Documenta. Also: stimmt, es gibt in dieser Stadt, ähnlich wie im Berlin der Nachwendezeit, viel Leerraum, der kreativ erobert wird. Im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Verlassene Gebäude wie die alte Börse oder das ehemalige Hotel Bageion am Omonia-Platz wurden von den Kuratoren der Kunstbiennale zu großartigen Ausstellungskulissen umfunktioniert.

documentaUmtriebige Menschen haben im vergangenen Jahr in einstmals grauen Vierteln wie Psyrri oder Pangrati beeindruckend viele leer stehende Häuser zu originellen Cafés und Restaurants umgerüstet – ja, es gibt diese Momente wie im Kinderfilm: Man tritt durch eine winzige alte Tür und steht plötzlich in einer fantastischen Welt, für die drei Ruinen nebst Innenhof in eine spektakuläre Clublandschaft verwandelt wurden. Im Kunstzentrum Vyrsodepseio, das sich in einer ehemaligen Fabrik niedergelassen hat, wurde für das Theaterstück “Meta” kürzlich das Foyer mit Wasser gefüllt und das Publikum mit Booten von der Treppe zur Bühne gebracht.
“Platz für Neues”: Das könnte man als thematische Stadtführung anbieten. Hier, sehen sie, das Embros, einst Verlagsgebäude, dann Theater, dann Ruine, jetzt Kultur- und Bürgerzentrum; im Westen der Stadt der “Technopolis”-Komplex, einst ein Kohle-Gas-Kraftwerk, heute Museum, Ausstellungsparcours, Clublandschaft. Der Parko Eleftherias, in dem die ersten Vorveranstaltungen für die Documenta stattfinden. Wie auch immer – enden müsste solch eine Führung durch das neue kulturelle Athen aber unten am Meer, im gerade eröffneten Stavros-Niarchos-Kulturzentrum, in dem die Nationaloper und die Nationalbibliothek untergebracht werden sollen.