CAPTURE & DISCARD

Tanz, Zeitgenössischer Tanz, Performance, Performance

Luna Park / Kosmas Kosmopoulos

Freitag 17.3. 20.30 h

Samstag, 18.03.2017, 20.30 h

Sonntag 19.3. 17.00 h

 Veranstaltungsort:
Uferstudios, Studio 14
Uferstr. 8/23
13357 Berlin
U Pankstr.,    U Nauener Platz
tel. (030) 46 06 08 87

Die Arbeit an „CAPTURE & discard“ begann 2016 während eines Austauschprojektes mit jungen Tänzern aus Berlin und Athen unter der Leitung des in Berlin lebenden griechischstämmigen Choreografen Kosmas Kosmopoulos.

„CAPTURE & discard“ thematisiert den Versuch einer Gruppe von Individuen, all das aus ihrem alltäglichen Leben zu entfernen, was ihr Leben und ihren Alltag bisher ausgemacht hat: Subjekte, Objekte, Verhaltensmuster, Beziehungen, Erinnerungen, Erkenntnisse, Wünsche, Hoffnungen, Ängste und moralische Prinzipien. Es geht also um das essentielle Bedürfnis von Individuen, frei zu sein, sich von all dem frei zu machen, was sie sich im Verlauf ihrer Existenz angeeignet haben. Es geht um den Versuch einer Beendigung des Gefangen-Seins in Verhältnissen, die vom ritualisiertem Haben-Müssen, von Besitzdenken und vom Zwang zu Konsum und dauernder Reproduktion geprägt sind. Es geht aber auch um den Versuch zu beschreiben, was nach der Zerstörung solcher Verhältnisse möglich sein könnte.

„CAPTURE & discard“ beginnt in einem Moment, in dem den Individuen bewusst wird, dass ihr Handeln Mechanismen unterworfen ist, die sie nicht beeinflussen können, dass sie wie Automaten agieren, dass ihnen sämtliche Emotionen verloren gegangen oder ins Absurde verkehrt sind. Ihnen ist nicht mehr länger bewusst, welche Bedeutung und welche Folgen ihr Handeln in der Außenwelt hat (Verlust des existenziellen Bewusstseins), sie können nicht mehr benennen, was ihr Ich ausmacht (Verlust des subjektiven Bewusstseins), ihre Beziehungen zu anderen Subjekten lösen sich auf (Verlust des sozialen und politischen Bewusstseins). Entlang dieser drei Achsen der Aufhebung entwickelt sich die szenische Struktur von „CAPTURE & discard“. Fast vollständige Erstarrung in einem Raum, der eigentlich ein Nicht-Raum ist, ist der Ausgangspunkt. Sehr langsam, fast unmerklich löst sich die bewusstlose Starre der Individuen und geht in Ansätze einer neuen Bewegung über, durch die auch der Raum wieder erfahrbar wird. Das neu erwachte Bewusstsein der Individuen sucht nach neuen Orientierungspunkten, und die Individuen versuchen dabei, die alten Muster zu vermeiden und neue zu etablieren.

Jedes der fünf Individuen setzt sie anders zusammen, in seinem eigenen individuellen revolutionären Akt. Jedes Individuum hat seinen eigenen Plan für seine neue Welt. Gemeinsam aber ist ihnen allen, das sie versuchen, die Distanz zu ihrem Gegenüber zu überwinden und damit ihre Entfremdung, als erste Voraussetzung für gemeinschaftliches Agieren mit dem Ziel der Veränderung des Bestehenden.

„CAPTURE & discard“ hinterfragt die Bildung von Identität als Funktion kultureller, sozialer, ökonomischer und politischer Bedingungen und in diesem Zusammenhang vor allem die Manipulierbarkeit der Identität. Die Performance fragt auch nach Möglichkeiten der Veränderung und Neuorientierung. Letztendlich geht es um Freiheit und um die Frage, ob und wie es möglich sein könnte, Assoziationen zu schaffen, in denen die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.